Fachkraft für Veranstaltungstechnik (IHK)

| Kurzinformation | Tätigkeit | Arbeitsumfeld | Anforderungen | Wege zum Beruf | Berufsschule |

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Kurzinformation:

Bevor Weltstars wie Mick Jagger, Joe Cocker, Madonna oder David Copperfield die Bühne betreten, hat bereits ein ganzes Heer von Technikern, Roadies und Helfer Schwerstarbeit verrichtet. Zahlreiche Trucks haben tonnenweise Traversen, Boxen, Lichtdollies, Bühnenelemente und Cases ausgespuckt. Lautsprechertürme sind errichtet und geflogen worden, über der Bühne hängen dutzende Scheinwerfer in eigens für die Show konzipierten Traversenriggs. Kilometer von Licht-, Ton- und Signalkabeln sind verlegt und verklebt worden. Bevor ein erstes "Test, ein, zwei, drei" in die Mikrophone gesprochen werden kann, bevor der Tonmeister hinter dem Mischpult Platz nimmt, sind Traversen in schwindelerregender Höhe montiert, Bühnenpodeste geschleppt und aufgestellt sowie Gerüste für die Kulisse zusammengeschraubt worden. Die Kräne, welche bei Großveranstaltungen vielfach eingesetzt werden, verwandeln eine Open-Air-Arena regelrecht in eine vorübergehende Groß-Baustelle.

Die tagelange harte Arbeit der Technikcrew läßt die 2-stündige Show des Künstlers zu einem bleibenden Erlebnis werden. Das Publikum merkt von all dem nicht viel. Hier zählt nur das Erlebnis während der Show.

Jedoch auch bei kleinen Veranstaltungen ist eine umfangreiche und lückenlose logistische Vorbereitung, harte Arbeit und technische Feinabstimmung notwendig. Sobald Musiker, Schauspielerinnen, Moderatoren oder Redner vor größeren Publikum stehen, ist technische Unterstützung erforderlich. Konzerte, Messen, Fernsehshows, Roadshows, Tagungen, Parteitage oder Theateraufführungen- zu all diesen Veranstaltungen gehört jede Menge Technik. Lichttechnik, Tontechnik, Bühnenaufbauten und Podeste. Diese Technik ermöglicht, daß das Publikum alles gut sieht und hört. Es werden Tonanlagen, samt Mikrophonen, Mischpulten, Effektgeräten, Lautsprechern und Verstärkern installiert. Die Lichtabteilung steuert Scheinwerfer, Dimmer, eigene Steuerpulte und jede Menge Kabel bei. Die Scheinwerfer werden an Traversen oder Stativen so eingerichtet, daß die gewünschten Lichteffekte entstehen können. Sowohl die Bühnen selber, als auch die Zuschauerpodeste bestehen oft aus mobilen Elementen, die für die jeweilige Show eigens neu aufgebaut und gesichert werden müssen.

Dekorationen und Bühnenbilder werden gehängt oder aufgestellt. Bei modernen Großveranstaltungen werden zusätzlich oft Effekte eingesetzt. So gibt es Bild- und Filmprojektionen, Feuerwerke, Kunstnebel. Auch dafür müssen entsprechende technischen Anlagen aufgebaut und bedient werden.

Veranstaltungstechniker haben die Aufgabe, den Einsatz all dieser technischen Einrichtungen zu planen, die notwendigen Anlagen aufzubauen und zu bedienen. Für jede Veranstaltung wird ein technisches Konzept entwickelt, die Logistik minutiös geplant und eine Kostenkalkulation erstellt. Die technischen Anlagen werden in der Regel von speziellen Dienstleistungsfirmen wie der Unternehmensgruppe Sound Company geliefert, aufgebaut, geprüft und betrieben. Die Veranstaltungstechniker haben hierbei die Verantwortung, daß alle sicherheitsrelevanten Bestimmungen und Aspekte eingehalten werden, damit für Publikum und Mitwirkende keine Gefahren entstehen können. Während der Veranstaltung bedienen die Veranstaltungstechniker die Geräte und sorgen für einen reibungslosen technischen Ablauf entspechend der Regieanweisung. Am Ende einer jeden Veranstaltung steht der Abbau und die Rücklieferung des gemieteten Materials. Der Betrieb auf der Großbaustelle beginnt mit gleicher Sorgfalt von vorn.

Die Anzahl von Life-Veranstaltungen und Fernsehshows ist in den letzten Jahren sprunghaft gestiegen. Auch die Anforderungen an die Technik haben sich erheblich verändert. Viele Veranstaltungstypen, wie Open-Air-Konzerte und Roadshows sind erst in den letzten Jahrzehnten entstanden. Die PA-Anlage, mit der sich noch 1965 die Beatles im Shea-Stadium völlig erfolglos gegen den jubelnden Lärm ihrer über fünfzigtausend Fans durchzusetzen versuchten, würde heute kaum noch einer Schüler-Band genügen.

Die Veranstaltungstechnik lag lange Zeit in den Händen von technisch versierten Quereinsteigern. Mit wachsendem Bedarf an geschultem Personal wurde darüber nachgedacht, spezielle Ausbildungsgänge für diesen Berufszweig einzurichten. Mit der Schaffung der "Fachkraft für Veranstaltungstechnik" wurde dieser neue Weg beschritten. Seit 1998 können die Auszubildenden direkt den Beruf der Fachkraft für Veranstaltungstechnik erlernen. Nach dreijähriger Lehrzeit sind sie befähigt, selbständig die technischen Anforderungen für eine Veranstaltung zu planen und den reibungslosen Ablauf und die Sicherheit eines Events in allen Einzelheiten zu gewährleisten.

Tätigkeit: Am Anfang steht die Planung der Veranstaltung. Dafür müssen die Wünsche der Kunden, die Anforderungen des Veranstalters und die örtlichen Gegebenheiten analysiert und dann in eine technische Konzeption umgesetzt werden. Die Konzeption und die damit verbundene Kalkulation, einschließlich Visualisierungen und Aufbauskizzen werden mit den Kunden im Vorfeld der Veranstaltung abgestimmt. Die notwendigen Geräte und Anlagen werden bereitgestellt und aufgebaut. Neben Ton- und Lichtanlagen sind dies auch Podeste, Gerüste und Traversen. Während der Veranstaltung werden die Beleuchtungs- und Beschallungsanlagen bedient. Projektionseinrichtungen und Übertragungsanlagen für Bild, Ton und Daten können dazu kommen. Auch bei speziellen Effekten mit Feuer, Nebel oder Rauch richten die Veranstaltungstechniker die Geräte ein und achten insbesondere bei pyrotechnischen Effekten auf die Einhaltung der notwendigen Sicherheitsbestimmungen. Am Ende jeder Veranstaltung steht der Abbau und Rücktransport der Anlagen, sowie die sachgemäße Lagerung, Sicherung und Materialpflege.

Arbeitsumfeld: Die Veranstaltungstechniker stehen in engem Kontakt mit den Kunden und Künstlern. Bei der Konzeption sind Vorgaben der Regie bzw. der Szenenbildner zu beachten und Vor Ort umzusetzen. Bei der Umsetzung tritt der ablauforientierte Kontakt mit den ausführenden Künstlern wie Musikern, Entertainern, Schauspielern, Tänzern, Moderatoren in den Vordergrund. Da spezielle technische Anlagen immer wieder hinzugemietet werden, ergibt sich der Kontakt zu den zahlreichen kooperierenden Dienstleistungsfirmen der Branche.

Anforderungen:

Veranstaltungstechniker müssen ihr technisches Verständnis und Können in den Dienst der jeweiligen Veranstaltungskonzeption stellen. Teamfähigkeit, Flexibilität und Improvisationsvermögen sind dabei gefordert. Veranstaltungstechniker müssen in der Lage sein, im Dialog mit dem künstlerisch / redaktionell Verantwortlichen die technische Konzeption zu planen und umzusetzen. Dazu gehört auch Verständnis für die künstlerischen Anforderungen der Inszenierung. Je nach Einsatzgebiet und Arbeitspensum ist nicht nur eine robuste Gesundheit, sondern auch größere körperliche Leistungsfähigkeit notwendig. Veranstaltungstechniker, die sich auf Tontechnik spezialisieren, sollten ein gutes Gehör haben; Veranstaltungstechniker, die sich verstärkt mit Licht beschäftigen, ein gutes Sehvermögen besitzen. Bei eigenen Konzeptionen ist ein hohes Maß an Abstraktionsvermögen für eine rechnergestützte Planung der Installation erforderlich.

Wege zum Beruf:

Die Fachkraft für Veranstaltungstechnik wird über einen Zeitraum von drei Jahren ausgebildet. Wie bei allen dualen Berufsausbildungen sind die Lernorte der eigene Betrieb und die Berufsschule.

Diese Basisausbildung kann durch den Erwerb eines Meistertitels mit den Fachrichtungen Bühne/Studio, Beleuchtung und Hallen fortgeführt werden. Der Meister für Veranstaltungstechnik ist qualifiziert für die Leitung von kleinen bis mittleren Organisationseinheiten.

Als Ausbildung für Führungskräfte im Bereich der Veranstaltungstechnik gibt es die Ingenieurs-Studiengänge: Theater-und Veranstaltungstechnik (TFH Berlin) und Medientechnik (FH Hamburg).

Die Versammlungsstättenverordnung sieht vor, daß bei bestimmten Veranstaltungen (dies können auch z.B. Fernsehshows sein) eine staatlich geprüfte Fachkraft nach VStättVO anwesend ist.

Berufsschule:

Abschluß:
Berufsschulabschluß bei Erreichen festgelegter Durchschnittsnoten werden bestimmte allgemeinbildende Abschlüsse zuerkannt Facharbeiterbrief (nach Bestehen der Prüfung vor der Industrie- und Handelskammer)

Ausbildungsprofil:
Schwerpunkt ist das Planen, Organisieren und Durchführen von Messen, Ausstellungen, Kongressen, Musik- und Theateraufführungen.

Aufnahmevoraussetzungen:
Es muß ein Ausbildungsvertrag mit einem Unternehmen abgegeschlossen sein, das den Beruf ausbildet.

Dauer der Ausbildung:
3 Jahre, Verkürzung bei guten Leistungen möglich.

Anmeldung:
Der Ausbildungsbetrieb meldet seine Auszubildenden nach Abschluß des Ausbildungsvertrages für den Berufsschulunterricht an.

Berufsschule:
Zur Zeit entsendet die Unternehmensgruppe Sound Company ihre Auszubildenden zur Fachkraft für Veranstaltungstechnik an das Berufskolleg der Georg-Simon-Ohm-Schule, Köln. Die Berufsschulausbildung findet in Form des Blockunterrichtes statt.